Heiner’s Duty-Free-Shop auf Helgoland

Viele werden ihn kennen, den Shop von Heiner Stepper, auch Helgo Heiner genannt. Und viele aus der whisky-affinen Welt werden schon im Rahmen einer Helgoland Reise in dem Shop vorbeigeschaut haben. Während in den „normalen“ Duty-Free-Shops auf der Insel vorwiegend die speziell für den Travel-Value-Markt abgefüllten Original Abfüllungen der Destillerien zu finden sind, kann sich der geneigte Geniesser bei Heiner im Laden auf eine grosse Auswahl von Abfüllungen verschiedener Independent Bottler freuen. Im Folgenden nun meine Eindrücke zu Heiner’s-Duty-Free-Shop.

Endlich hatte ich es geschafft: Eine Woche Helgoland. Was heissen soll, die Reise nicht nur bis in’s Detail zu planen, sondern auch tatsächlich zu buchen und dann auch wirklich anzutreten. Ursprünglich hatte ich die Reise schon für November letzten Jahres geplant, musste aber meine Planungen aufgrund der damaligen Lock-Down Beschränkungen schweren Herzens ad acta legen. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben und so ergab es sich, dass es genau ein Jahr später doch noch gepasst hat und ich die Insel besuchen konnte.

Natürlich war des Besuch von Heiners Laden nicht der Hauptreisegrund, hatte aber doch ein gewisses Gewicht bei der Planung des Inselbesuchs. Zumal ich ja in der Vergangenheit schon zweimal die Gelegenheit hatte, Helgoland und auch Heiners Shop zu beehren.

Das erste Mal im Jahre 2017 mit meiner besseren Hälfte im Rahmen eines Tagesausflugs, zum zweiten im Oktober des Jahres 2019 ebenfalls mit meiner Frau und erweiterter Familienbegleitung für 3 Tage.

Ersterer gestaltete sich naturgemäss wegen des ziemlich kleinen Zeitfensters aufgrund der An- und Abfahrtszeiten des Katamarans als ziemlich hektisch. Quasi einmal um die Insel herumgerannt und einschlägige Duty Free Shops „geplündert“. Und das war’s dann auch schon. Schöne Fussnote am Rande: Ich hatte damals schon von Heiner und seinem Shop gelesen und wir waren angesichts der immer näher rückenden Abfahrt unseres Schiffes schon leicht panisch auf der Suche nach dem Laden. Jene muss man uns wohl angesehen haben, fragte uns doch ein netter Mensch, der uns entgegen kam, ob er uns helfen könne. Auf meine Entgegnung, dass wir Heiner’s Duty-Free-Shop suchen würden, meinte er nur lapidar, er sei Heiner und sein Laden wäre nur ein paar Meter weiter die Strasse hinunter gelegen. Das nenne ich mal einen tollen Zufall. Also rein in den Laden, umgeschaut, probiert und, der geneigte Leser ahnt es schon, den Shop natürlich nicht mit leeren Händen verlassen. Ein schönes Erlebnis, wie ich finde.

Beim zweiten Mal dann hatte ich mir vorgenommen, eines seiner vielgelobten Tastings zu besuchen. Gesagt. Getan. Am Tage der Ankunft den Laden gestürmt und Plätze für mich und meinen Vater reserviert. Am nächsten Tag dann sind wir in aller Ruhe zum Tasting gegangen und waren überrascht wie viele Besucher sich dann doch dort einfanden (es waren wohl um die 45). Da es Anfang Oktober und das Wetter entsprechend war, fand das Tasting draussen statt und es war ein Erlebnis. Für meinen Vater noch mehr als für mich, war es doch sein erstes Tasting. Er trinkt auch gerne Whisky, ist aber weit davon entfernt so besessen zu sein wie sein Sohn. Und auch bei diesem Besuch bin ich nicht gegangen ohne mein Konto gehörig zu strapazieren.

Ja, und nun war ich zum dritten Mal auf Helgoland und zwar für eine Woche. So konnte ich mir Zeit lassen und vor dem wöchentlichen Tasting (ab November finden jene immer Freitags und nicht mehr Donnerstags statt) schon mal den Shop inspizieren. Das Feine bei Heiner ist, dass man eine Probe von sehr vielen seiner Flaschen in einem kleinen Plastebecherchen verköstigen kann, um schon mal einen ersten Eindruck zu bekommen. Bei Gefallen kann man dann entweder gleich die ganze Flasche kaufen oder sich ein Sample mit 5 bzw. 10 cl abfüllen lassen. Da ich, wie weiter oben schon erwähnt, eine ganze Woche auf der Insel war, habe ich nach dem Probieren von mir genehmen Abfüllungen ein Sample abfüllen lassen und konnte den Whisky in Ruhe am Abend in meinem Domizil auf Herz und Nieren prüfen und eine Kaufentscheidung treffen. Ich finde diese Herangehensweise eine fantastische Sache. Besonders das Probieren im Laden ist etwas besonderes. Ist es mal leer im Shop, kann man mit Heiner, der eigentlich immer anwesend ist, wunderbar über das Thema Getreidebrand, aber auch über Gott und die Welt philosophieren. Wenn aber Kundschaft vor Ort ist, was eigentlich nach meinen Erfahrungen auch ziemlich oft der Fall ist, dann kommt man schnell mit den Leuten in’s Gespräch und kann sich entsprechend austauschen.

Die Tastings bei Heiner sind immer etwas Besonderes und eigentlich auch keine Tastings im eigentlichen Sinne. Hier gibt es keine fest zugewiesenen Plätze mit Tastingplan und den schon eingeschenkten zu verkostenden Probanden, sondern hier ist alles herzlich und schon etwas rustikal im positiven Sinne. Jetzt im Herbst und dann auch im Winter können die Tastings natürlich nicht im Freien stattfinden, so dass hier um vorherige telefonische Reservierung seitens des Shops gebeten wird. Es werden dann im Laden, der nicht wirklich gross ist, wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann, ein paar Bänke aufgestellt, jeder bekommt ein Glas in die Hand gedrückt, sucht sich ein Plätzchen und dann geht es auch schon los. Der Chef geht mit der Flasche reihum und schenkt jedem einen Dram ein. Während des Ausschenkens unterhält sein Kollege Claus Kollatsch, seines Zeichens Rettungssanitäter auf der Insel und ehrenamtlicher Moderator von Führungen durch den Luftschutzbunker, die illustre Runde mit Wissenswertem ernster und manchmal auch nicht ganz so ernster Natur über Helgolands Geschichte. Nach meinem Empfinden ist er so eine Art wandelndes Lexikon in Sachen Inselhistorie und er bringt das auch sehr überzeugend und unterhaltsam rüber. Zwischen den Whiskies gibt es neben Wasser immer ein Stückchen Schokolade zum Neutralisieren bzw. Ergänzen. und vor dem Probieren erzählt Heiner natürlich etwas über die jeweilige Abfüllung. Alles in allem herrscht bei den Tastings in Heiners Shop immer eine lockere, ja fast schon familiäre Grundstimmung. Sehr schön.

Im Sommer ist so ein Tasting dann noch einmal eine andere Hausnummer, da die Veranstaltung dann im Freien stattfindet und keinerlei Reservierung nötig ist. Die Teilnehmerzahl kann da schon mal extrem nach oben oder unten ausschlagen. Waren bei meinem ersten Tasting mit meinem Vater zusammen schon ca. 45 Nasen anwesend, berichtete mir Heiner schon von um die 80 Teilnehmern. Da wird dann schon mal die Strasse vor dem Shop komplett in Beschlag genommen, der ein oder andere Nachbar kommt hinzu und manchmal kommen auch die Helgoländer Karkfinken vorbei und geben ein paar Shanties zum Besten. Da kann man nur hoffen, dass von den ausgeschenkten Whiskies immer genügend Bestand am Lager ist. An anderen Tagen hingegen kann es auch mal vorkommen, dass nur 6 oder 7 Gäste anwesend sind.

Schlussendlich sei noch angemerkt, dass Ich mir noch 5cl vom berühmt-berüchtigten Fujikai habe abfüllen lassen. Ich hatte den vor einigen Jahren mal in einem privaten Tasting probiert. Den wollte ich unbedingt einmal in Ruhe zu Hause probieren (beim Schnuppern am Tastingfläschchen ist die Nase ist schon mal „vielversprechend“) und Heiner hatte tatsächlich noch einen Rest vorrätig. Darauf gekommen sind wir übrigens beim Probieren eines Beverbach, was schon einiges über diesen deutschen Whisky aussagen dürfte. Nun, ganz so schlimm fand ich ihn dann aber letztlich doch nicht. Und ich habe den namibischen Whisky Ondjaba probieren können, bei dem das aus heimischer Perlhirse gewonnene Malz über Elefantendung gedarrt sein soll. So richtig habe ich mich mit dem Kollegen allerdings nicht anfreunden können, konnte ihn aber von meiner inneren Probierwunschliste streichen. Und das ist doch auch schon was.

Der Shop von Helgo Heiner mag vielleicht nicht das breiteste Angebot an Whiskies haben, aber das ist auch gar nicht der Punkt. Viel wichtiger in meinen Augen ist der Umgang mit dem Kunden, die Möglichkeit des Probierens sowie die Atmosphäre bei den Tastings.. Es macht schlicht und ergreifend Laune bei Heiner im Shop zu sein. Und ich komme mit Sicherheit wieder.

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