SMWS 112.59 – Kaffeepause in der Möbelfabrik – neue DE-Exklusiv Abfüllung der SMWS

Das Auswahlverfahren

Als im Januar des Jahres 2020 die SMWS ihre deutschen Mitglieder dazu aufrief, sich an einer Verlosung zur Auswahl einer Sonderabfüllung nur für Deutschland zu beteiligen, dachte ich mir: Warum nicht, kost‘ ja nix. Also flugs meine Daten eingegeben und losgeschickt.

Die Überraschung war dann einige Woche später gross, als die gezogenen Namen bekannt gegeben wurden. Tatsächlich stand mein Name mit auf der Liste und meine Freude war entsprechend riesig Ein paar Tage später dann bekam ich ein Päckchen mit den drei zu verkostenden Probanden und einer kurzen Anleitung. Die Farben der 3 Kandidaten waren schon mal sehr unterschiedlich und vielversprechend.

Der Vergleich – Blind vs. Known Tasting

Die Farben der 3 Kandidaten waren schon mal sehr unterschiedlich und vielversprechend.

An einem ruhigen Abend ein paar Tage später startete ich also meine Verkostung. Ich goss mir von jedem Sample etwas in die bereitstehenden Gläser und liess den Tropfen noch einige Minuten Zeit, sich im Glas zu öffnen.

Der erste Kandidat war auch gleich mein Favorit und hat bei mir und letztlich auch bei allen Panel-Teilnehmern das Rennen gemacht. Wobei ich für mich auf einen Glen Moray aus einem Weisswein Fass getippt hätte und nicht auf einen Inchmurrin, der in einem ausgekohlten Eichenfass gelegen ist. Aber sei’s drum.

Hier meine damaligen Verkostungsnotizen, die ich so auch an die Society gesendet habe.

Farbe:
– dunkler Bernstein

ohne Wasser
Nase:
– feuchter Waldboden nach einem Regenguss
– frisches Harz, welches aus Baumrinde hervorquillt
– Kräuter
– ein wenig Rosmarin
– würzig

Geschmack:
– dunkle Herrenschokolade
– starker ungesüsster Espresso
– leicht holzig
– Tannine, die von einem Weisswein kommen könnten
– trocken im Abgang, aber nicht unangenehm
– ledrig und leicht bitter

mit Wasser
Nase:
– verliert an Intensität und Charakter
– leicht parfümiert

Geschmack:
– keine Ecken und Kanten mehr
– nicht mehr so bitter und holzig

Aus gegebenem Anlass habe ich mich heute dann entschlossen, den 13-jährigen Inchmurrin mit dem sinnigen Namen „Kaffeepause in der Möbelfabrik“ noch einmal zu verkosten, da die Society den Teilnehmern des German Member Panel durch Mathias Rech noch ein Sample vom 112.59 hat zukommen lassen hat. Vielen Dank dafür.

Hier also meine aktuellen Tasting Notes, die zugegebenermassen etwas voreingenommen sein dürften, da ich die Eckdaten ja nun bereits kenne. Da beim ersten Tasten die Zugabe von Wasser den Whisky hat wässrig und glatt werden lassen, habe ich dieses Mal auf die Zugabe von Wasser verzichtet.

Kurz nach dem Einschenken entsteigt dem Glas schon eine leicht leimige Note, wie als wenn ein wenig Grain Whisky mitspielt. Nachdem er ca. 10 min im Glas verweilte, hatte ich wieder den feuchten Waldboden. Irgendwie erinnert mich die Nase an alte 35er Abfüllungen mit Weisswein-Finish, mit den leicht schmutzigen und würzigen Anklang. Daher wahrscheinlich auch meine Assoziation mit Glen Moray beim ersten Verkosten. Irgendwann entsteigt dem Glas dann och ein leichter Duft nach Milchschokolade, sanft und sehr verlockend.

Der erste Schluck brachte eine herbe Holzigkeit und Würze, die 63.2% vol. sind deutlich vorhanden, nicht so sehr auf der Zunge, aber hintenraus am Gaumen. Ein wenig geraspelte Orangenschale und ein kräftiger Espresso vervollständigen das Profil dieser Abfüllung. Auch diese Ledernote habe ich wieder, sowohl in der Nase als auch auf der Zunge. Der Abgang ist ziemlich lang und hinterlässt einen trockenen Gaumen.

Das Fazit

Da hat die Society ein richtig gutes Fass ausgewählt, eine Flasche von dem Inchmurrin habe ich mir schon bestellt. Eine schöne Abfüllung nach der eher mittelprächtigen letzten DE-Abfüllung, dem 66.158. Der Ardmore wurde ja damals sehr ambivalent aufgenommen. Malsehen wie es bei dieser Abfüllung wird, ich denke aber, dass er auf breitere Zustimmung stossen wird als der Ardmore seinerzeit. Meiner Meinung nach sollte Name erweitert werden; zu „Kaffeepause in der Möbelfabrik, in der Möbel mit Baumharz verleimt werden“.

An dieser Stelle ein Dankeschön an die SMWS für die Möglichkeit der Mitbestimmung und das Sample. Es war mir ein Vergnügen.

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