Mit der Claus D. und der SMWS auf der Elbe unterwegs

Bekanntlich sind große Festivitäten und Menschenansammlungen so gar nicht meins. Allerdings gibt es aber auch die vielzitierten Ausnahmen von der Regel. Eine davon ist beispielsweise, wenn man die Gelegenheit bekommt, auf einem kleinen historischen Schleppdampfer die Einlaufparade zum Hamburger Hafengeburtstag live zu erleben, quasi ein Teil der Parade zu sein. Gut, OK, auf dem Dampfer hat man natürlich keine Menschenmassen, dafür aber auf dem Hin- sowie Rückweg, wo man aber nicht drumherum kommt. Also kein Gedränge an Bord, Wetter prima (Licht hätte besser sein können) und Kamera schußbereit. Quasi alles Bestens, oder? Nee, natürlich nicht, denn das Beste fehlt ja noch: Die Society höchstselbst hatte wieder zur alljährlichen Bootstour auf der Elbe geladen. Nur dieses Mal halt eben nicht an einem normalen Wochentag, sondern zum sogenannten Vatertag und gleichzeitig, wie weiter oben schon erwähnt, zum Hafengeburtstag, was einen besonderen Rahmen darstellte. Was kann es schöneres geben, als mit einigen prächtigen Drams in der einen und der Kamera in der anderen Hand die Atmosphäre des Hamburger Hafens zu inhalieren? In meinen Augen gibt’s da nur wenig Luft nach oben. Dementsprechend war ich dann auch fast die gesamte Dauer der Fahrt über in einer anderen Welt unterwegs.

Treffpunkt bzw. Start war einmal mehr der Museumshafen in Oevelgönne, der Heimat der historischen Schiffsflotte in Hamburg. Ich hatte den Nachmittagstermin gebucht und der Start war für 15:00 Uhr angesetzt. Es gab noch einen Mittagstermin um 12:00 Uhr, was mir aber für ein Whisky-Tasting zu zeitig erschien. So war ich denn gegen 14:30 Uhr vor Ort am Museumshafen und der Hafen war schon ganz gut gefüllt. Die Mittagsschicht verließ gerade die Claus D. und dabei entdeckte ich auch ein paar Bekannte wie Familie Engelmann sowie Bertrand sammt seinem Kollegen, die mir bei einem kurzen Hallo schon mal ein paar von ihren Eindrücke schilderten. Punkt drei legten wir denn auch ab und fuhren dann auch erst mal ein Stück weit gen Nordsee, um dann zu wenden und uns in den Schiffspulk der Einlaufparade einzureihen und wieder elbaufwärts zu schippern. Von Beginn an war ich wieder hin und weg und ich muss sagen, der der Whisky und das Tasting treten da immer ein wenig in den Hintergrund, so dass ich wieder bei dem ein oder anderen Dram ein wenig hinterher hing.

Nichtsdestotrotz will ich aber hier natürlich trotzdem auch ein paar Worte über die gereichten Abfülllungen verlieren. Den Starter markierte ein mäßiger Inchmurrin (wer mich kennt weiß, dass ich mit den Abfüllungen aus der Loch Lomond Destillerie so meine Problemchen habe), der von einem schon deutlich besseren Royal Brackla aus dem Juicy, Oak & Vanilla-Profil abgelöst wurde.

Die folgenden beiden Flaschen waren im Rahmen des Spirit of Speyside Festivals veröffentlich worden und keine Single Casks sondern aus mehreren Fässern kreierte Batches, was ja an sich nichts schlechtes bedeuten muss. Nur entfernt sich die SMWS mit solchen Veröffentlichungen immer mehr von ihren Wurzeln, was aber angesichts der Ausrichtung auf immer mehr und noch mehr Mitglieder nur logisch ist. Ein Fass, welcher Größe auch immer, ergibt halt eben nur eine bestimmte Anzahl an Flaschen und wenn man ein größeres Klientel, wie in dem Falle das Spirit of Speyside oder auch das Feis Ile auf Islay, um nur zwei zu nennen, bedienen will, muss man halt eben solche Wege gehen. In der Vergangenheit habe ich auch schon einige Flaschen von Batches gekauft, trotzdem hoffe ich, dass diese Sparte nicht weiter ausgebaut wird. Aber zurück zu den beiden Whiskies. Ich muss zugeben das ich gar nicht mehr genau weiß, welcher als erstes ausgeschenkt wurde, ich meine aber der Benriach war der erste von Beiden und der zweite dann der Linkwood. Beide kommen mit dem Spicy & Sweet Etikett daher und aus meiner Sicht passte das wunderbar. Den Pudding im Benriach konnt ich zwar nicht nachvollziehen, dafür aber die zerlassene Butter, die Eiche und den Thymian im Linkwood. Beides sehr gelungene Batches, wie ich fand.

Anschließend gab es einen 15 Jahre alten Blair Athol aus dem Spicy & Dry-Profil, welches ich in der Regel sehr schätze. So auch hier, beim Probieren fühlte ich mich kurz in die furztrockene südspanische Provinz mitten im Hochsommer versetzt, wo ich ein Glas extrem trockenen Rotwein trank. Spannend.

Dann kam das Highlight des Nachmittags, der letze von der Society veröffentlichte 23er, ein 15-jährige Bruichladdich mit dem klingenden Namen Fatberg Ahead! Und fett kommt der Laddie daher, der, wenn er eine Originalabfüllung wäre, gut unter dem Label Lochindaal hätte vermarktet werden können. Ein wenig Kuhstall ist da, aber auch viel Küste mit einem abgewrackten und leckenden Öltanker am Horizont und allem was da sonst noch so angespült wird. Der passte zur Bootsfahrt auf der Elbe mit den alten dampfenden Schiffen wie die Faust auf’s Auge.

Zum Abschluß wurde dann ein Highland Park (ebenfalls eine Festival-Abfüllung und ein Batch aus mehreren Fässern) ausgeschenkt, welcher es gegen den Laddie schwer hatte, zumal er mit seinen 20 Jahren naturgemäß schon feingliedriger und filigraner daherkam und somit gegen den kräftig-robusten Islay Whisky nicht wirklich eine Chance hatte. Aber nichtsdestotrotz ein schöner Whisky, ich mag die Brennerei von den Orkneys in den letzten Monaten immer mehr.

Auf dem Flaschentisch stand neben den genannten Flaschen noch ein Blended Whisky mit dem Namen Scarlett Marzipan, welcher aber nicht mit ausgeschekt wurde oder aber ich habe es nicht mitbekommen, keine Ahnung. Aber angesichts der vekosteten Whiskies war das zu verschmerzen. Schade fand ich allerdings, dass wir keinen einzigen Raucher dabei hatten und letztlich nur eine Flasche aus dem Oily & Coastal-Profil. Ein paar mehr Abfüllungen aus den genannte Profilen wäre dem Anlass des Tastings sicher eher gerechter geworden. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, die ausgeschenkten Drams waren schon richtig gut, da gibt’s nix dran zu rütteln, insbesondere natürlich der Bruichladdich.

Und damit sind wir schon wieder am Ende angelangt. Ich muss sagen, ich genieße es immer wieder, diese meine Eindrücke vor meinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen und selbige dann mit meinen Worten niederzuschreiben. Ich durchlebe es dann quasi noch einmal. Und ich liebe diese Fahrten durch den Hamburger Hafen. Danke an alle Beteiligten für diese tolle Erlebnis, ich freue mich wie Hulle auf nächstes Jahr hier im Hamburger Hafen.

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